Mittwoch

Betrachtung zum neuesten Lektorat

Als die Autorin an mich herantrat, nahm ich die Herausforderung gespannt an. Denn ein Manuskript einer Japanerin zu lektorieren ist nochmal etwas anderes, als das einer Muttersprachlerin zu begutachten.
Ich las also die Texte, und zuerst wollte sich kein Bezug dazu einstellen. Ich konnte einfach nicht zwischen den Zeilen lesen, den Subtext nicht greifen. Ich las etwas sehr Zartes, Zurückhaltendes, vergleichbar mit Kirschblütenknospen, die mir verschlossen blieben. Was tun?, fragte ich mich. Dann sammelte ich mich und begann in der 1. Überarbeitungsrunde die Sätze gemeinsam mit der Autorin europäischer zu gestalten. Langsam öffneten sich dadurch die zarten Kirschblüten, und von Runde zu Runde entfalteten sie sich mehr und mehr. Nun verstehe ich die Texte und das Unausgesprochene zwischen den Zeilen. Und das, was die Autorin den Lesern mitteilen will, ist eine wunderbare Idee. Das war sie von Anfang an. 


Nachdem wir alles vollbracht hatten, schrieb die Autorin auf Facebook:
Meine Lektorin hat 2. Stufen gemacht: 1. Grammatische Korrektur 2. Inhaltliche Korrektur. Aber sie hat schon von 1. Stufe an mehrere wichtige Fragen gestellt. Ich beantwortete ihre Fragen verzweifelt. Aber ich konnte genau mitteilen, was ich im Kopf hatte. Sie formulierte besser, was ich sagen wollte. Sie legte viele liebliche Ideen in meinen Text. Erstmals hatte ich mich geschämt sehr, weil ich fühlte mich, wie meine Unterwäsche zeigen ließ. Aber da sie meine Erklärung richtig verstanden war, und verbesserte meinen Text, meine Geschichte blieb "mein" aber verbessert. Das war eine schöne Erfahrung.

Ich antwortete ihr:
ein Lektor ist wie ein Leibarzt, denn er zieht den Patienten - den Text - nackt aus, um den Körper zu verstehen, zu verstehen, was zwischen den Buchstaben und Zeilen steht. Dann erst sieht und hört er das Herz eines Textes klopfen. Du hast mir dein Vertrauen geschenkt, dass ich das alles fühlen konnte, was dort steht. Ich weiß, dass das für jeden Writer eine Entblätterung bedeutet. Ich danke dir für die schöne gemeinsame Zeit und Arbeit.

Wie schon erwähnt, geht es um eine sehr zarte Liebesgeschichte. Die Protagonisten sind ein Wissenschaftler, Mitte 30, und ein sehr junger Mann, eine Waise, der als sein Assistent arbeitet. Die beiden kommen letzten Endes in eine Situation, die erschreckende Wahrheit ist, obwohl man das als Leser kaum für möglich halten kann. Mehr möchte ich nicht verraten.


Naiv

Dienstag

Was geschieht beim Lektorat?

Tom Oberbichler war so freundlich, meinen Artikel über die Zusammenarbeit von Autoren mit Lektoren und meine Sicht dazu auf seiner Seite be wonderful zu veröffentlichen. Vielen Dank, Tom! 


Mittlerweile ist es den meisten Autoren und Autorinnen klar, dass ein hochwertiges Lektorat und Korrektorat ein wichtiger Bestandteil eines guten und erfolgreichen Buchs ist – egal ob es selbstverlegt wird oder ein Verlag eingebunden ist.
Ich habe Elsa Rieger, Autorin, Buchbloggerin und Lektorin, gebeten uns aus ihrer Sicht als Lektorin einen Überblick über ihre Arbeit und ihre Zusammenarbeit mit Autoren und Autorinnen zu geben.


Liebe Autorin, lieber Autor,
 
Zunächst bin ich als Lektorin, die selbst schreibt und das Wort an sich liebt, sehr gespannt, wenn du mit einem Text auf mich zukommst. Es ist kein Märchen, dass die Chemie zwischen Menschen stimmen muss, um überhaupt miteinander kommunizieren zu können. Doch das gilt auch für den Text. Ich kann nicht jeden Text „ausgehfein“ machen, gebe ich hiermit zu. In den Anfängen des Lektorierens wollte ich das aber um jeden Preis (Honorare für die Arbeit sind ja auch nicht zu verneinen, nicht wahr?). Mittlerweile nach den Jahren sehe ich das jedoch anders. Wenn mich ein Text nicht ergreift, interessiert, oder schlichtweg talentfrei geschrieben ist, springe ich nicht mehr über meinen Schatten, sondern lehne das Projekt mit Bedauern ab. Ich finde nicht, dass jeder Mensch die Begabung zum Schreiben hat. Vielleicht ist derjenige/diejenige besser bei der bildenden Kunst aufgehoben oder beim Komponieren schöner Melodien? (...)

Wenn Sie weiterlesen wollen, was ich zu sagen habe,
hier geht es zum gesamten Text: 


Der Artikel


Samstag

Danke für die schöne Referenz!

Kerstin Werner

Dieses Buch war für mich vom Schreiben her am emotinalsten. Ich habe mein Herz ganz weit geöffnet und viele Tränen einfließen lassen. Es gab Telefonate, es gab Chats und Träume, deren Impulsen ich folgte.
 
In diesem Buch hat mich meine Intuition mehr geführt als je zuvor.
Und ich habe mich führen lassen.
 
Rund um dieses Buch liefen Prozesse in mir ab, die einer Achterbahn glichen. Es ging wirklich nochmal rasant rauf und runter. Ich besuchte regelmässig die Wach-Trance von Walter Müller in Köln und habe dort ganz viel Traurigkeit rauslassen können, ebenso angestaute Aggressionen. Irgendwann kam dann ein Punkt, wo sich tatsächlich eins einstellte: Vertrauen. Und das Ergebnis von Vertrauen war innere Liebe, die sich irgendwie auf viel mehr ausbreitete als nur mein Innerstes. Ein wunderbares Gefühl und wer es kennt, wird mich gerade verstehen.
 
Selbst das Cover von Ulrike Hirsch stieß in mir Prozesse an, bei denen ich mich fragte: Kannst du selbst die Fülle des Lebens annehmen? Und ich danke Ulrike an der Stelle, dass sie nicht nur malte, sondern auch seelisch dieses Mal so offenherzig mit meinen (inneren) Fragen umging.
 
Deshalb kann ich rückblickend sagen: Dieses Buch hatte es in sich. Da ich mit dem Schreiben wieder einiges verarbeiten und abschließen konnte.
 
An der Stelle danke ich auch Elsa Rieger, die nun schon das dritte Buch von mir lektoriert hat. Sie ist nicht nur eine großartige Schriftstellerin, sondern auch eine tolle Lektorin und vor allem: Ein Mensch mit Herz auf dem rechten Fleck, wie man so schön sagt.
 
Ebenso geht ein Dank an Christian Balcaen, der sich inzwischen um meine eBooks kümmert. Auch mit dir ist alles sehr unkompliziert und macht einfach Freude.
 
Ich bin glücklich, dass wieder ein Buchbaby geboren ist. Möge es viele Menschenherzen berühren.
 
Herzensgrüße
Kerstin

Freitag

Neue Referenz

Eine besonders schöne Zusammenarbeit mit dem Autor. 

Rosentod

Thriller
von Hans-Peter Vertacnik

Seiten: (ca.) 339
Erscheinungsform: Originalausgabe
ISBN: eBook 978-3-95520-272-9
Format:
ePUB


„Flink greift der Fahrer nach dem Höschen und lässt es im Handschuhfach verschwinden. Das intime Wäschestück liegt jetzt neben den Handschellen und seinem Lieblingsmesser. Langsam, bedächtig setzt er seine Fahrt fort …“

Gefesselt, in einen alten Schlafsack gehüllt und mit einer Plastikrose auf der Brust wird eine junge Frau im Fluss ertränkt. Während Kommissarin Ulla Spärlich die Ermittlungen aufnimmt, verbreitet ein Unbekannter im Internet ein Video, in dem sich das Opfer in Szene setzt. Bald darauf taucht ein weiterer Film auf: Es zeigt eine Freundin Ullas. Zugleich gerät ihr Kollege Joe Maringer, mit dem sie weit mehr als nur der Beruf verbindet, plötzlich ins Fadenkreuz ihrer Ermittlungen …

Eiskalt. Schonungslos. Ein Thriller, der unter die Haut geht.



Montag

Wenn uns die Schreibblockade packt



Wir stolpern leeren Blickes durch die Landschaft oder schlurfen umdüstert durch unsere Stadt, vielleicht tigern wir auch nachts, wenn andere in Morpheus Armen liegen, mit gepeinigtem Blick zwischen Schreibtisch und Küche hin und her und her und hin.
Dabei hätten wir wahnsinnig viel zu tun! Der Roman, die Geschichte, der Essay, das Sachbuch soll fertig werden! Doch nichts, absolut nichts fällt uns ein, damit der Text endlich weitergeht.
Wir schlagen uns auf die Brust, schreien innerlich: "Du blödes, sinnentleertes Hirn, fasse nur einen guten Gedanken, der reicht, dass ich den nächsten Satz schreiben kann!"
Denn schließlich wissen wir, wenn da nur eine kleine neue Wortfolge entsteht, sind wir wieder im Flow und auf geht's!
Aber leider, nichts passiert. 
Gemeinhin nennen wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller diese Erscheinung: SCHREIBBLOCKADE. Und das hauen wir jedem um die Ohren, der indiskreter Weise nachfragt: "Na, wie geht's denn so mit der Scheiberei? Kommst du gut voran?"

Tja, liebe Kolleginnen und Kollegen, wer von uns kennt das nicht? Man hängt und hängt und hängt. Aber ich kann Sie beruhigen, diese Erscheinung gibt es in Wahrheit nicht. Sie dient uns zur Ausrede, wenn wir gerade nicht schreiben wollen und das wird seinen Grund haben. Das klingt vielleicht ungerecht und frech, Sie werden sich denken: "Was will die denn? Die hat doch keine Ahnung, wie ich mich seit Tagen quäle und Hände ringend um Erlösung von der Schreibblockade bete!"
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, ehe Sie mir mein Blog zusammenschlagen, und gehen Sie in sich.

Überlegen Sie in Ruhe folgendes:
1. Sie können schreiben (sonst würden Sie ja keine Texte verfassen), Sie werden es weiterhin schaffen.

2. Sie können also ganz ruhig darauf warten, dass Ihr "blockierter" Text sich Ihnen wieder öffnet.  Oft ist es so, dass Ihr Gehirn Sie dazu zwingen will, einen gewissen Abstand zu Ihrem aktuellen Text zu bekommen. Sagen Sie sich dann, dass wird schon seinen Sinn haben, denn je weniger Zwang Sie dabei auf sich selbst ausüben, desto schneller wird es passieren, dass Sie weiterschreiben können. Wenn Sie sich stressen, verkrampfen sich die Synapsen im Gehirn, das sind die kleinen elektrischen Leiter, die Informationen aus Gefühlshirn und Lernhirn aktivieren. Klar, dass dann nix mehr geht. Um sich zu entstressen, machen Sie

3. ein paar Entspannungsübungen, indem Sie versuchen, so schlecht wie möglich zu schreiben, schreiben Sie schrecklich, grausam, langweilig, kitschig an Ihrem Text weiter. Dann wird Sie der Zorn packen, ein wunderbarer emotioneller Antrieb, einem Raketenabschuss vergleichbar, und weiter geht es. Klappt das auch nicht, dann schreiben Sie an einer anderen Stelle Ihres Textes weiter, oder einen ganz anderen dazwischen, oder beginnen Ihren "blockierten" Text von vorn zu überarbeiten, denn das müssen Sie ja ohnehin mal machen. Sehr bewährt hat sich bei mir, zum Text passende Musik abzuspielen, das aktiviert das limbische System, das Gefühlshirn. Und ohne Gefühle zu haben, kann man kaum einen Text zu Papier bringen.

4. Sehen Sie zu, dass Sie sich täglich Schreibzeit verschaffen, am Besten immer zur selben Zeit. Mindestens 15 Minuten. Sie werden sehen, Sie kommen wieder in den Flow.

Abschließend sei gesagt, die Erscheinung Schreibblockade gibt es schon, aber sie ist hausgemacht und Hinweis darauf, dass wir uns unbemerkt überfordert haben. Daher machen Sie ganz was anderes, wenn alle oben genannten Tricks nichts bringen, und nutzen Sie die Chance, rauszugehen und zu leben. 
Auch wir Autorinnen und Autoren haben ja außer dem Schreiben immerhin noch ein Leben!

In diesem Sinne viel Spaß mit Ihrer Schreibblockade!

Elsa Rieger