Schreiben

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Mittwoch

Einfach nur ICH - eine Trilogie

Daggi Geiselmann ist eine Autorin, die viel durchgemacht hat. Ich war die Lektorin ihres Vertrauens, und gemeinsam haben wir ihre Aufzeichnungen zum Leben erweckt. Es war nicht ganz einfach, den Spagat zwischen ihrem Frei-von-der-Leber-weg-Stil und Lektoratseingriffen zu schaffen, das gebe ich offen zu. Einerseits sollte die Direktheit erhalten bleiben, immerhin ist diese Lebensbeichte absolut authentisch, das Milieu, die Menschen darin brutal und erbarmungslos, ja, die Erfahrungen der Autorin grausam, andererseits erwartet die Leserschaft mehr als einen journalistischen Bericht. Kurzum, es war aufregend, wir sind zusammengekommen, haben dem Text frischen Wind eingehaucht und hatten eine spannende Zeit.

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Dienstag

Macht der Sinne

Gretel Pohlmann, übrigens eine überaus patente Persönlichkeit, hat mir die Überarbeitung ihres mystischen, fantasievollen Roman überlassen, worüber ich mich sehr gefreut habe. 
Offensichtlich ist uns die intensive Arbeit gelungen, was die positiven Rezensionen bestätigen.

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Freitag

Auf den - meinen - Punkt gebracht

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Autorinnen und Autoren,
Mein Partner Qindie hat mich zu meiner Arbeitsweise befragt, wofür ich herzlich danke.

Interview:

Von Nacktheit, Aromabad, Smoking und Abendkleid: Lektorin Elsa Rieger im Partnerqinterview

Im März sind wir wieder bei der Buchmesse. Eines unserer Themen dort ist das Lektorat. Für unser Qinterview haben wir uns deshalb mit Elsa Rieger eine Lektorin und Qindepartnerin ausgesucht, der viele Autoren vertrauen. Das liegt ganz sicher daran, dass sie sich gut in die Autoren versetzen kann. Schließlich schreibt sie selbst tolle Bücher. Sie kann Vertrauen aufbauen, weil man ihr immer abnimmt, dass es um den Text geht, um das optimale Ergebnis für die Geschichte. Eine Haltung, die sich auch durch das Interview zieht.  

1.    Wer bist du und was bietest du als Qindie-PartnerIn an?
Zuerst einmal vielen Dank für das Qinterview meiner Lieblingsvereinigung für Autorinnen und Autoren.
Ich bin Mensch, Frau, ehemalige Buchhändlerin (40 Jahre lang habe ich Bücher geschupft und „inhaliert“), Autorin (ich schreibe seit 20 Jahren) und aufgrund all dieser Erfahrungen biete ich Lektoratsarbeit an.


2.    Was macht ein(e) LektorIn?
Im Grunde sollte das Lektorat dem Manuskript die geblümte Kleiderschürze oder den Blaumann ausziehen, es nackt machen, ihm ein Aromabad (je nach Genre gewürzt) verpassen, es salben, und ihm dann das Abendkleid oder den Smoking anziehen, sprich, es ausgehfein machen.
Nun, das ist sehr metaphorisch ausgedrückt, prosaischer bedeutet das, den Text auf Plotlöcher, Logikfehler, langweilige Wiederholungen, ungeschickte Formulierungen, Registersprünge, sofern sie nicht bewusst als Stilmittel eingesetzt werden, zu untersuchen und die AutorInnen darauf aufmerksam zu machen, ihnen Alternativen anzubieten, aus denen sie wählen können, oder durch die sie selbst auf gute Lösungen kommen.


3.    Entsteht Kunst nicht gerade aus dem wilden unverfälschten Moment? Nimmt man dem beim Lektorat nicht Individualität und Eigenständigkeit?
Oh doch, zuerst ist es die wilde Lust am Fabulieren, die Leidenschaft, die „aus dem Bauch“ kommt, heißblütig tippen wir drauflos, das soll auch bloß nicht unterbunden oder gestört werden, sonst ist das kreative Moment verloren. Das ist wunderbar und wichtig. In dieser Phase des First Drafts soll sich keine/r beirren lassen! Wie schön, dann nach dem Lachen, Weinen, den Qualen oder des Glücks, welches die Schreiber in der schöpferischen Phase durchleben, „Ende“ darunterzusetzen. Sich ein paar Wochen darauf ausruhen, den Text liegenlassen, durchatmen. Erst dann ist der Blick wieder geschärft und erst dann fängt die rationelle Arbeit am Text an. Da komme dann ich ins Spiel.
Ein gutes Lektorat wäre kein gutes, würde es die Individualität, die Eigenständigkeit des jeweiligen Autors kappen. Ein gutes Lektorat macht das Gegenteil und „erhöht“ Stil und Inhalt eines Manuskripts im Sinne der Autorin.


4.    Wie wird man LektorIn?
LektorIn ist kein geschützter Begriff, jeder kann sich so nennen, daher ist es für unerfahrene AutorInnen nicht ganz leicht, den passenden zu finden; es gibt schon viele, die das anbieten.
Ich wurde es, weil Schreibende, die meine Bücher schätzen, mich angefragt haben, ob ich mal ihr Manuskript ansehen könnte. Nun, da habe ich gespürt, dass ich gut mit fremden Texten umgehen kann. Das mag am vielen Lesen liegen, das ich seit meiner Kindheit betreibe. Ich weiß nicht, wieso ich ein Auge dafür habe, ich habe es. Das ist schön.


5.    Wie stellst du dich auf die unterschiedlichen Sprachstile deiner Kunden ein?
So wie ich mich auf die verschiedenen Bücher einstelle, die ich lese. Philip Roth schreibt anders als T. C. Boyle, der schreibt anders als John Irving, wieder anders ist der Sprachstil von Joyce Carol Oates und so weiter. Das ist die kleinste Übung.


6.    Haben LektorInnen überhaupt Kunden oder haben sie Klienten?
Ich habe eindeutig KlientInnen. Das Manuskript selbst ist ein Klient, es kommt zu mir, der Textärztin, und möchte behandelt werden.


7.    Was ist dir bei der Arbeit mit den Autoren wichtig?
Vertrauen, immerhin ziehe ich deren Texte nackt aus, da gehört vonseiten der Autoren viel Mut dazu, fremden Augen eine Erstfassung zu überlassen. Wenn die Chemie zwischen Lektor und Autor nicht passt, geht nix.


8.    Gibt es klassische Fehler, die fast jeder macht?
Ja. Ich auch. Also bei meinen Texten. Wir AutorInnen glauben oft, wir müssen den Lesern alles reindrücken, immer wieder erwähnen, weil wir denken offenbar, die haben 10 Seiten später schon vergessen, was vorher bereits deutlich erwähnt wurde. Wir sollten die Leser nicht unterschätzen. Diesen Fehler sehe ich oft.


9.    LektorInnen sind nur Verwalter und zerschneiden den AutorInnen die Texte, weil sie auf deren Kreativität neidisch sind. Schon mal gehört?
Ah geh! Nein, das habe ich noch nicht gehört, ich kann es auch nicht glauben, Gerücht! LektorInnen wären schnell keine mehr, würden sie das tun. Es ist ein Job, in dem man äußerst sensibel mit etwas umgeht, das einem nicht gehört. So sehe ich das wenigstens.


10.    Wie finden Autoren ihre eigene Sprache und wie kannst du ihnen dabei helfen?
Anfangs schreibt man ja gern (habe ich auch gemacht) als Epigone seines Idols. Ich z.B. habe Philippe Djian (der war übrigens Lektor, dann Buchhändler, ehe er selbst schrieb) glühend verehrt. Seinen Roman: Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen, habe ich wahrscheinlich zehnmal verschlungen. Tja, meine ersten Texte waren lauter kleine Betty Blues.
Am besten findet man die Sprache heraus, wenn man mit den Autorinnen E-Mails schreibt, sich über ihr Manuskript eine Weile austauscht, denn in diesem „privaten, frei von der Leber weg“-Schreiben erkennt man das ganz gut. Das meinte ich auch oben mit „Registersprung“, d.h. wenn plötzlich die Sprache wechselt, die Begriffe nicht passen, das ist nicht so gut.
Sie darauf aufmerksam machen, die gewählte Sprachebene einzuhalten, damit helfe ich ihnen.


11.    Gibt es für dich einen Unterschied zwischen Büchern von Self-Publishern und Verlagen?
Ja, leider doch noch recht oft. Nicht immer, denn es gibt ganz tolle SP-Bücher, doch prozentual haben die VerlagsautorInnen mehr Qualität zu bieten. Sollte sich mal ändern.


12.    Hast du schon Aufträge abgelehnt, weil ein Text zu schlecht war?
Ja, das Recht nehme ich mir. Ich tue dem Schreiber ja auch nichts Gutes, wenn ich ihn bestärke in seinem Wunsch, ein Buch rauszubringen, wenn er nun mal keine Begabung fürs Schreiben hat. Vielleicht wären Musik oder bildnerische Kunst eher seine Erfüllung? Ich weiß, Schreiben ist leichter, denkt so mancher, das ist kein Aufwand, Laptop her und schon geht’s los. Nur so ist es eben nicht.


13.    Kannst du gleichtags ein Buch lektorieren und an einem eigenen schreiben?
Nein. Mag sein, ich könnte es, aber ich will es nicht. Lektorat ist Arbeit und passiert wochentags, meine Texte kommen am Wochenende dran und wenn kein Job ansteht.


14.    Wie schaffst du es, bei den verschiedenen Welten (deine Bücher, die deiner Kunden, das reale Leben) nicht durcheinanderzukommen?
Haha, gute Frage, nächste Frage! Nein, Spaß. Ich bin im Sternzeichen Wassermann, das würde mich dafür prädestinieren, in den Wolken zu schweben, zu dichten, zu schreiben, die Welt Welt sein zu lassen, im Wald zu hausen und zu philosophieren. Aber (!) mein Aszendent ist Jungfrau, und es könnte sein, dass mich dieses Sternzeichen erdet, am Boden hält. Noch dazu ist die Jungfrau ein Ass in Organisation. Hm, das wird wahrscheinlich sein. Ok, also ernsthaft jetzt: Ich habe keine Ahnung, wie ich das alles unter einen Hut kriege, ehrlich. Muss mal drüber nachdenken.


15.    Wie bist du zur Literatur gekommen?
Durch meine Familie, die Eltern Schauspielerin und Regisseur, überall lagen bei uns meterhohe Stapel von Büchern herum, ich habe alles gelesen, wirklich alles, was mir als Kind in die Hände fiel, allerdings habe ich nicht alles verstanden, wie Henry Miller im zarten Alter von zehn (was meine Eltern erleichterte, dieses Buch „Die Welt des Sexus“ mussten sie dann weggesperrt haben, ich fand es nie wieder in den Stapeln); Hauptsache lesen. Und wie eingangs erwähnt, war ich Jahrzehnte Buchhändlerin, weil ich mich gern mit Literatur umgebe.


16.    Wenn Du beruflich so viel lesen musst, liest du dann auch privat noch gern?
Natürlich, einschlafen ohne vorher gelesen zu haben, geht gar nicht.


17.    Was machst du, wenn du nicht schreibst, lektorierst oder liest?
Schlafen! Haha. Nein, dann befasse ich mich mit meiner Familie, Mutter, Ziehtochter, Enkeln, gehe mit Freunden aus, ich liebe Kino, unser Haus am Waldrand im Waldviertel, wo ich die Wälder auf langen Spaziergängen durchstreife. Ach, ich habe viel Spaß am und im Leben.


18.    Was liest du gern? Welches Genre? Gibt es einen speziellen Autor?
Romane und biografische Romane. Im Moment ist mein Favorit T. C. Boyle, aber es wechselt. Wenn ich gerade Hunger auf einen Autor habe, dann will ich alles von ihm verschlingen.


19.    Wo findet man dich im Internet?
Meine Website: Website
Meine Bücher: Elsa Rieger - Bücher

 




Sonntag

Was bringt ein Lektorat?


Liebe Autorin, lieber Autor,

Zunächst bin ich als Lektorin, die selbst schreibt und das Wort an sich liebt, sehr gespannt, wenn eine Autorin, ein Autor mit einem Text auf mich zukommt. Es ist kein Märchen, dass die Chemie zwischen Menschen stimmen muss, um überhaupt miteinander kommunizieren zu können. Das gilt auch für den Text. Ich kann nicht jeden Text „ausgehfein“ machen, gebe ich hiermit zu. In den Anfängen des Lektorierens wollte ich das aber um jeden Preis (Honorare für die Arbeit sind ja auch nicht zu verneinen, nicht wahr?). Mittlerweile nach den Jahren sehe ich das jedoch anders. Wenn mich ein Text nicht ergreift, interessiert oder schlichtweg talentfrei geschrieben ist, springe ich nicht mehr über meinen Schatten, sondern lehne das Projekt mit Bedauern ab. Ich finde nicht, dass jeder Mensch die Begabung zum Schreiben hat. Vielleicht ist derjenige/diejenige besser bei der bildenden Kunst aufgehoben oder beim Komponieren schöner Melodien?
Apropos Melodie: Um die Sprachmelodie geht es mir in erster Linie, weniger darum, ob die Geschichte meinen Lesegeschmack trifft, sofern sie nachvollziehbar erzählt wird.
Plotlöcher, Zeitsprünge, Logikfehler lassen sich aufspüren und bereinigen. Doch der Erzählstil der jeweiligen Autoren ist es, der eine Geschichte, ein Gedicht oder den Roman einzigartig macht. Er muss bewahrt werden, darf vom Lektorat nicht kaputtgemacht werden. Die Erzählform ist zu schützen, sie ist die Sprache des Autors, der Autorin. Ich als Lektorin muss die Erzählsprache des Betreffenden zur Höchstform auflaufen lassen können, sie nicht verstümmeln. Und das ist mein Entscheidungskriterium, ob ich einen Auftrag annehme oder ablehne. Die Chemie des geschriebenen Wortes. Sie muss zu meinem Verständnis von Sprache passen. Sonst wird das nichts.


Ein neues Projekt

Nun, wie gehe ich vor, wenn mich ein neues Projekt erreicht? Ich für meinen Teil arbeite mich auf dem Weg durch den Text sofort in Details ein. Stelle Fragen in Sprechblasen, die sich später im Text oft auflösen, dann streiche ich die Kommentare weiter oben wieder. Manche jedoch werden nicht im Text beantwortet, ein Zeichen, dass an diesen Stellen gearbeitet werden muss. Grammatikfehler und dergleichen bessere ich sofort nach, sichtbar, um das nachzuvollziehen.

Es ist meistens ziemlich aufregend für Autoren, in Kontakt zu Lektoren zu treten. Da stürmen viele Gefühle auf einen ein: Fällt mein Text durch? Ist er lesbar, nachvollziehbar, spannend? Was alles muss geändert werden? Dieser Aufregung kann ein Lektor mit Empathie gegenübertreten. Immerhin hat ein Autor viel Herzblut in seinen Text gelegt, den Mut gehabt, etwas niederzuschreiben. Ob der/die Schreibende nun achtsam und respektvoll mit dem Wort umgegangen ist, hat der Lektor schnell herausgefunden.
Eine flüchtige, ja, schlampige Erstfassung spricht Bände: Da ist einer, der nur schnell ein Buch hinfetzen wollte, um es an den Mann zu bringen. Dazu sei gesagt, dass diese Art Schreiber auch keine Lust haben, ihren Text lektorieren zu lassen und wenn doch, ja, dann zeigt das ganz schöne Überheblichkeit nach dem Motto: Friss Vogel oder stirb.
Eine sichtlich bemüht geschriebene Geschichte zeigt ein anderes Bild, auch wenn darin Fehler zu finden sind. Sichtlich bemüht zu schreiben zeigt auch nicht unbedingt von Talent für das Metier, derjenige müsste wahrscheinlich noch viel üben, um Eleganz und Klarheit in seine Texte zu bringen. Aber ein Lektorat hilft durchaus dabei zu lernen, die hölzerne Ausdrucksweise loszuwerden.
Und dann gibt es noch die Autoren, die wunderbarer Weise eine Riesenportion Begabung zum Schreiben mitbringen. Eine große Freude für jeden Lektor, die eine Zusammenarbeit sehr konstruktiv macht. Das sind die Geschichten, die wie ungeschliffene Edelsteine funkeln. Sie zu schleifen bringt die schönsten Ergebnisse. Aus dem Lektorat entlassen, trägt der Text am Ende eine Abendrobe.


Die Basics

Worüber Lektor und Autor zuerst miteinander sprechen müssen:

1. Figuren: In der Belletristik ist der Aufbau der Charaktere wichtig. Nur „starke“ Figuren – egal ob positive oder negative – schaffen es, die Leser zu packen. Autoren sollten, sobald sie die Idee zu einer Geschichte haben, zuerst die Figuren entwickeln, die gebraucht werden, um diese zu erzählen. Ohne passende Akteure kann der Plot noch so genial sein, er wird im Sand verlaufen, denn die Figuren sind es, die eine Geschichte bestimmen und vorantreiben.

2. Plot: Ein Plot ist die Geschichte, die erzählt werden will. Man denkt sich, oft inspiriert durch Ereignisse im realen Leben, eine Geschichte aus. Dabei sollte man sich fragen, warum unbedingt diese Geschichte erzählt und was damit ausgesagt werden soll. Am Anfang steht also die Prämisse, das ist der eine Satz, der zeigt, dass der Autor nicht einfach palavern will, sondern etwas beweisen möchte. Wir schreiben ja nicht, um zu schreiben (meistens), wir schreiben, weil wir uns äußern wollen. 
Eine Prämisse könnte lauten: Unrecht führt zum Untergang. Oder: Liebe und Vertrauen heilt schmerzhafte Erfahrungen. Oder: Ein vorgezeichneter Lebensweg wird unter allen Umständen erfüllt.
Die Geschichte dient nun dazu, diese Prämisse zu erfüllen.

3. Erzählstil: Wie nun wird die Geschichte erzählt? Auch darüber sollte sich der Autor im Vorfeld Gedanken machen. Durch welche Augen? In welcher Zeitform? Linear oder mit Rückblenden?
Bei einem Roman bitte ich dann um ein Exposee oder ein Gespräch, um die komprimierte Struktur der Geschichte vorliegen zu haben, den roten Faden erkennen zu können. An der Erfüllung der Prämisse, des roten Fadens und der Persönlichkeit der handelnden Figuren wird nun gemeinsam gearbeitet. Viele Mails werden gewechselt, Telefonate geführt, Strittiges geklärt und solange bearbeitet, bis Autor und Lektor mit dem Ergebnis zufrieden sind, am besten aber vollends begeistert!


Ratgeber und Sachbücher

Bei Ratgebern und Sachbüchern läuft es anders, da geht es vor allem darum, schwammige Formulierungen zu bereinigen und klare Ansagen zu machen. Der Sachbuchautor ist so verwachsen mit seinem Thema, dass er oft nicht merkt, dass ein Laie überhaupt nichts mit seinen Erklärungen anfangen kann. Meine Aufgabe ist dann, genau diese Laienfragen zu stellen, um deutliche Erklärungen zu bekommen, die dann ein Sachbuch, einen Ratgeber wirklich hilfreich machen.

In diesem Sinne,
eure Elsa Rieger

Dienstag

Oh, ein Kinderbuch

Besuchen Sie doch Stups und Moni hier


Aus dem Nähkästchen oder der Schreibstube geplaudert:
Als die beiden Autorinnen Enya Kummer und Victoria Suffrage bei mir anfragten, ob ich für ein Lektorat frei sei, sagte ich zu. Das wäre doch gelacht, wenn ich nicht ein Kinderbuch ausgehfein machen könnte, dachte ich. Dann lag das Manuskript vor mir, ich las es, fand es ganz toll, und fragte die Autorinnen, was ich daran noch arbeiten solle, denn es sei schon richtig schön.

Sei streng!, ermahnten mich die beiden. Gut, ich vertiefte mich nun intensiv in die Geschichte, las mit der inneren Lupe, schürfte in den Seelen des kleinen Wolfes und des Jungen, immer die Mahnung im Nacken: Sei streng! Ich kam mir bereits wie ein Grubenarbeiter vor, aber meine beiden Autorinnen wollten das Allerbeste für ihren Text. Und so wuchs die Geschichte, Lücken wurden geschlossen, neue Ideen geschaffen, wir drei schenkten uns nichts während der gemeinsamen Arbeit, die überaus erhellend war. 

Für Kinder zu schreiben ist ja schwer. Denn Kinder sind ärger als der Meisterkritiker MRR, sie finden jeden Logikfehler, bleiben ernst, statt zu lachen, wenn sie etwas nicht lustig finden, obwohl sich Erwachsene über den Joke längst ausschütten vor Lachen. Kinder sind harte Nüsse, was das betrifft. Diese Herausforderung zu meistern, ist nicht einfach gewesen. Aber die Arbeit hat sich gelohnt.

Der 1. Band aus der Reihe: 
Die Abenteuer von Stups und Moni heißt: 
"Wenn freche Wölfe Nebel pupsen" 
und erscheint am 15. März 2015 im Maverick Verlag.
 
       

Donnerstag

Wenn es so schönes Autorenfeedback zum Lektorat gibt

... dann ist das ein Grund zur Freude!

Der Autor schreibt:


Früher, wenn ich „Lektorat“ nur gedacht habe, war ich schon auf 180, innerlich. Dieses Wort war für mich gleichbedeutend mit Einmischung, Beschneidung der „künstlerischen Freiheit“, endlosen Diskussionen oder gar Streitereien über ein paar Sätze, Worte oder womöglich ein einziges Satzzeichen, dazu die „neue Schreibweise“, welche mich immer noch auf 200 bringt, innerlich und äusserlich – doch darum geht’s hier nicht. Und das alles mit einer mir völlig unbekannten Nase in einem ablehnend gesinnten Verlag, dem natürlichen Feind des jungen, aufstrebenden, innovativen Autors, dagegen gut Freund mit intelligenzresistenten Promis und sogenannten, meist nur möchtegernen VIPs, die ihre Muttersprache nicht einmal mündlich beherrschen, aber höchste Verkaufszahlen garantieren. Wieso eigentlich? Wer kauft, und vor allem: wer liest denn sowas? Wo sind denn da die Lektoren?!?
Entschuldigung, ich will nicht wieder abschweifen. Das Thema ist „Lektorat“, insbesondere meine Erfahrung mit Elsa Rieger als Lektorin. Nachdem ich mich im inzwischen ziemlich fortgeschrittenen Alter endlich doch noch dazu entschlossen hatte, eine Veröffentlichung meiner Kritzeleien ins Auge zu fassen, habe ich mich an Elsa Rieger gewandt, weil ich sie schon lange als Freundin und Schriftstellerin kenne und schätze. Erst im Nachhinein kann ich das Ausmass meines Glücks gebührend würdigen, dass sie sich meiner und meiner Geschichten angenommen hat, denn die Arbeit mit ihr war nicht nur effektiv, sondern hat mir auch noch Spass gemacht. Sie arbeitet professionell, was in diesem Fall keineswegs kalt und erfolgsorientiert im negativen Sinn bedeutet, sondern einfühlsam und stilgerecht, dazu schnell und unermüdlich. Ihre Anregungen, Einwände und Vorschläge habe ich zu keiner Zeit als Einmischung empfunden, im Gegenteil, sie waren eine Bereicherung und trieben mich vorwärts. Bevor ich ins Schwärmen gerate und damit in die Unglaubwürdigkeit abrutsche, sage ich nur noch eines: Ich habe von ihr und mit ihr sehr viel gelernt, wofür ich ihr von Herzen dankbar bin.
Elsa Rieger hat sich auch erfolgreich um das Layout meines Buches gekümmert, wovon ich keine Ahnung hatte. Jetzt dämmert mir allmählich, worum es dabei geht, aber ohne ihre Unterstützung käme ich nicht zurecht.
Es tut gut, ein Vorurteil revidieren zu können, deshalb sage ich heute: „Es lebe das Lektorat!“ Man muss nur die richtige Person dafür finden, und ich hatte dieses Glück. Vielen herzlichen Dank, Elsa!
norbert rychly
 
Vielen Dank, Norbert!
 
Hier das soeben geborene Buchkind:
 

Kurzbeschreibung

Geben Sie gut auf Ihr Handy acht, darin könnte sich nämlich etwas manifestieren, das Ihnen keine Freude macht. Was sich so alles im bombenfesten Zement eines Staudamms bewegt, das finden Sie hier heraus, ebenso, was den Smutje mit dem geldgierigen Käpt’n Jones verbindet. An Werner F.’s innovativer Geschäftsidee können Sie sich ein Beispiel nehmen, aber hüten Sie sich bloß vor gewissen Websites, oder surfen Sie sicherheitshalber ausschließlich in einem Internetcafé, niemals mit Ihrem eigenen Computer! Wie erging es Jim Hawkins nach seinem Abenteuer auf der Schatzinsel? Ist der Urenkel des angeblichen „Lügenbarons“ auch ein Lügner?
Das und noch viel mehr erfahren Sie in diesem Dutzend unheimlicher Geschichten, gespickt mit einzigartigen Illustrationen.


norbert rychly, unheimlich heimliches
illustrationen hansjörg bisswurm

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Mittwoch

Betrachtung zum neuesten Lektorat

Als die Autorin an mich herantrat, nahm ich die Herausforderung gespannt an. Denn ein Manuskript einer Japanerin zu lektorieren ist nochmal etwas anderes, als das einer Muttersprachlerin zu begutachten.
Ich las also die Texte, und zuerst wollte sich kein Bezug dazu einstellen. Ich konnte einfach nicht zwischen den Zeilen lesen, den Subtext nicht greifen. Ich las etwas sehr Zartes, Zurückhaltendes, vergleichbar mit Kirschblütenknospen, die mir verschlossen blieben. Was tun?, fragte ich mich. Dann sammelte ich mich und begann in der 1. Überarbeitungsrunde die Sätze gemeinsam mit der Autorin europäischer zu gestalten. Langsam öffneten sich dadurch die zarten Kirschblüten, und von Runde zu Runde entfalteten sie sich mehr und mehr. Nun verstehe ich die Texte und das Unausgesprochene zwischen den Zeilen. Und das, was die Autorin den Lesern mitteilen will, ist eine wunderbare Idee. Das war sie von Anfang an. 


Nachdem wir alles vollbracht hatten, schrieb die Autorin auf Facebook:
Meine Lektorin hat 2. Stufen gemacht: 1. Grammatische Korrektur 2. Inhaltliche Korrektur. Aber sie hat schon von 1. Stufe an mehrere wichtige Fragen gestellt. Ich beantwortete ihre Fragen verzweifelt. Aber ich konnte genau mitteilen, was ich im Kopf hatte. Sie formulierte besser, was ich sagen wollte. Sie legte viele liebliche Ideen in meinen Text. Erstmals hatte ich mich geschämt sehr, weil ich fühlte mich, wie meine Unterwäsche zeigen ließ. Aber da sie meine Erklärung richtig verstanden war, und verbesserte meinen Text, meine Geschichte blieb "mein" aber verbessert. Das war eine schöne Erfahrung.

Ich antwortete ihr:
ein Lektor ist wie ein Leibarzt, denn er zieht den Patienten - den Text - nackt aus, um den Körper zu verstehen, zu verstehen, was zwischen den Buchstaben und Zeilen steht. Dann erst sieht und hört er das Herz eines Textes klopfen. Du hast mir dein Vertrauen geschenkt, dass ich das alles fühlen konnte, was dort steht. Ich weiß, dass das für jeden Writer eine Entblätterung bedeutet. Ich danke dir für die schöne gemeinsame Zeit und Arbeit.

Wie schon erwähnt, geht es um eine sehr zarte Liebesgeschichte. Die Protagonisten sind ein Wissenschaftler, Mitte 30, und ein sehr junger Mann, eine Waise, der als sein Assistent arbeitet. Die beiden kommen letzten Endes in eine Situation, die erschreckende Wahrheit ist, obwohl man das als Leser kaum für möglich halten kann. Mehr möchte ich nicht verraten.


Naiv