Schreiben

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Montag, 15. April 2013

Wenn uns die Schreibblockade packt



Wir stolpern leeren Blickes durch die Landschaft oder schlurfen umdüstert durch unsere Stadt, vielleicht tigern wir auch nachts, wenn andere in Morpheus Armen liegen, mit gepeinigtem Blick zwischen Schreibtisch und Küche hin und her und her und hin.
Dabei hätten wir wahnsinnig viel zu tun! Der Roman, die Geschichte, der Essay, das Sachbuch soll fertig werden! Doch nichts, absolut nichts fällt uns ein, damit der Text endlich weitergeht.
Wir schlagen uns auf die Brust, schreien innerlich: "Du blödes, sinnentleertes Hirn, fasse nur einen guten Gedanken, der reicht, dass ich den nächsten Satz schreiben kann!"
Denn schließlich wissen wir, wenn da nur eine kleine neue Wortfolge entsteht, sind wir wieder im Flow und auf geht's!
Aber leider, nichts passiert. 
Gemeinhin nennen wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller diese Erscheinung: SCHREIBBLOCKADE. Und das hauen wir jedem um die Ohren, der indiskreter Weise nachfragt: "Na, wie geht's denn so mit der Scheiberei? Kommst du gut voran?"

Tja, liebe Kolleginnen und Kollegen, wer von uns kennt das nicht? Man hängt und hängt und hängt. Aber ich kann Sie beruhigen, diese Erscheinung gibt es in Wahrheit nicht. Sie dient uns zur Ausrede, wenn wir gerade nicht schreiben wollen und das wird seinen Grund haben. Das klingt vielleicht ungerecht und frech, Sie werden sich denken: "Was will die denn? Die hat doch keine Ahnung, wie ich mich seit Tagen quäle und Hände ringend um Erlösung von der Schreibblockade bete!"
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, ehe Sie mir mein Blog zusammenschlagen, und gehen Sie in sich.

Überlegen Sie in Ruhe folgendes:
1. Sie können schreiben (sonst würden Sie ja keine Texte verfassen), Sie werden es weiterhin schaffen.

2. Sie können also ganz ruhig darauf warten, dass Ihr "blockierter" Text sich Ihnen wieder öffnet.  Oft ist es so, dass Ihr Gehirn Sie dazu zwingen will, einen gewissen Abstand zu Ihrem aktuellen Text zu bekommen. Sagen Sie sich dann, dass wird schon seinen Sinn haben, denn je weniger Zwang Sie dabei auf sich selbst ausüben, desto schneller wird es passieren, dass Sie weiterschreiben können. Wenn Sie sich stressen, verkrampfen sich die Synapsen im Gehirn, das sind die kleinen elektrischen Leiter, die Informationen aus Gefühlshirn und Lernhirn aktivieren. Klar, dass dann nix mehr geht. Um sich zu entstressen, machen Sie

3. ein paar Entspannungsübungen, indem Sie versuchen, so schlecht wie möglich zu schreiben, schreiben Sie schrecklich, grausam, langweilig, kitschig an Ihrem Text weiter. Dann wird Sie der Zorn packen, ein wunderbarer emotioneller Antrieb, einem Raketenabschuss vergleichbar, und weiter geht es. Klappt das auch nicht, dann schreiben Sie an einer anderen Stelle Ihres Textes weiter, oder einen ganz anderen dazwischen, oder beginnen Ihren "blockierten" Text von vorn zu überarbeiten, denn das müssen Sie ja ohnehin mal machen. Sehr bewährt hat sich bei mir, zum Text passende Musik abzuspielen, das aktiviert das limbische System, das Gefühlshirn. Und ohne Gefühle zu haben, kann man kaum einen Text zu Papier bringen.

4. Sehen Sie zu, dass Sie sich täglich Schreibzeit verschaffen, am Besten immer zur selben Zeit. Mindestens 15 Minuten. Sie werden sehen, Sie kommen wieder in den Flow.

Abschließend sei gesagt, die Erscheinung Schreibblockade gibt es schon, aber sie ist hausgemacht und Hinweis darauf, dass wir uns unbemerkt überfordert haben. Daher machen Sie ganz was anderes, wenn alle oben genannten Tricks nichts bringen, und nutzen Sie die Chance, rauszugehen und zu leben. 
Auch wir Autorinnen und Autoren haben ja außer dem Schreiben immerhin noch ein Leben!

In diesem Sinne viel Spaß mit Ihrer Schreibblockade!

Elsa Rieger

 

    


 

Kommentare:

Sandra-Maria Erdmann hat gesagt…

Dazu habe ich kürzlich in der Zeitung einen Artikel gelesen: "Wohlgefühl fördert die Kreativität" wurde dieser Text betitelt. Darin wurde deutlich, dass Angst, Stress und körperliches/ seelische Unbehagen die Kreativität zu Fall bringt. Mir persönlich hilft es in solchen Phasen, Dinge zu tun, die ich eigentlich hasse. Etwa Staub wischen, Bügeln oder meinen Schreibtisch aufräumen. :-)

Viele Grüße

Sandra-Maria

Elsa Rieger hat gesagt…

Ich sags ja, alles was einen in Bewegung bringt, wozu oft Wut gehört, hilft. Danke für den Komm, liebe Sandra-Maria!

Herzlich, Elsa