Ein Autor, dessen Art zu schreiben ich überaus schätze, und die Freude habe, seine Texte zu lektorieren, schrieb mir heute offiziell auf Facebook (Um welche Titel es geht, sage ich nicht, kommt noch):
Was
dich vor allem auszeichnet, meine hochgeschätzte Freundin und Kollegin,
ist dein Horizont und deine Neugier auf alles was sich lesen lässt.
Einige der Gründe, die mich dazu gebracht haben, dich als Lektorin für
alle künftigen Geschichten meines lieben (Titel) zu wählen. Und die bisherige Zusammenarbeit bestätigt
mich und meinen Entschluss uneingeschränkt. Ich bin froh und glücklich
dich und deinen weiten Horizont sowie deine große Erfahrung an meiner
Seite zu haben. "Am Anfang ist die Neugier" lautet der Wahlspruch, unter
den ich seit Jahren meine Agentur gestellt habe. Neugier ist für mich
der Schlüssel zu allem was uns weiterbringt. Und diese Neugier
versprühst du geradezu verschwenderisch ...
Herzlichen Dank dafür sagt Elsa Rieger
Ich stieß auf die Bücher von James, weil wir auf Facebook verbandelt waren, und war erschüttert und begeistert zugleich von seinen biografischen Aufzeichnungen.
Da waren Glanzstücke drin, Perlen an Gefühl und Bildsprache, jedoch recht versteckt in vielen überflüssigen Sätzen. Das Lektorenfieber packte mich, so bat ich James, die Bücher ein bisschen schleifen zu dürfen.
Nun, er willigte gern ein, so machten wir uns an die Arbeit.
Es war sehr spannend, es war manchmal zäh, es gab viel zu bedenken, die Perlen von ihren Schalen zu befreien, denn ich wollte James' Sprache nicht zerstören - sie nur stärken.
Schließlich waren wir beide weitgehend zufrieden mit dem Ergebnis. Das ist untertrieben! Wir waren total glücklich!
Danke, James, für dein Vertrauen!
BTW: Ich habe ein paar Rezensionen gelesen, die Fehlerchen ansprechen. James, wir sollten noch mal drüber gehen, was meinst du?
Ich erinnere mich gern an die Zusammenarbeit mit Maren Hirsch, die zugegebenermaßen turbulent war, wie auch ihr Roman The Trumpet Player ist.
Wir hatten einige Sträuße auszufechten, nachdem die Autorin nach deprimierenden Erfahrungen andernorts bei mir gelandet war.
Doch schließlich brachten wir das Manuskript in Form.
Die Geschichte ist vergnüglich, voller Pep, mit ganz viel Musik und überaus originellen Protagonisten geschrieben. Was ich an Maren Hirsch von Anfang an bewundert habe, ist, dass sie die Menge an Figuren mit viel Personality ausgestattet hat, jede/r einzelne hat ein Leben, farbig und nachvollziehbar. Und, dass sie die Leute nicht einmal verwechselt hat, der Leser immer genau weiß, von wem gerade die Rede ist. Klasse.
Und am Ende dieser intensiven Arbeit wurden wir Freundinnen. Das ist sehr schön.
Wie ich hier schon einmal geschrieben habe über die Zusammenarbeit mit Akiko Kawabata, war es hochinteressant, mit dieser Dame aus Japan, die die deutsche Sprache liebt, Texte zu erarbeiten, die auch für Europäer gut zu lesen sind. Ich finde, es ist uns ganz gut gelungen.
Das Spannende an den Geschichten ist die Kombination zwischen teilweise realer, teilweise utopischer Wissenschaft, die Akiko beängstigend ins rechte Licht setzt, und einer bestrickenden Liebesgeschichte, zart wie Kirschblüten im Wind, zwischen zwei Männern, die in beklemmenden, eigenartigen Situationen kommen. Die Reihe heißt Naiv und ist bei Amazon erschienen.
Ich habe noch weitere Geschichten lektorieren dürfen, die voller Fantasie sind, zugleich schmerzlich und schön.
Zum Beispiel: Das Wörterbuch von Earl Grey
Kou Naruse, die 14-jährige Mittelschülerin, distanziert sich von der
Fremdsprache Englisch, weil sie damit beschämende Erfahrungen gemacht
hat. Eines Tages lädt eine Freundin sie zu einem Englischkurs bei dem
Engländer „Earl Grey“ in ihrer Stadt ein. Der alte, aber elegante Lehrer
fasziniert alle vier Mädchen, die den Kurs in seinem Haus besuchen. An
einem Sommerferientag findet Kou sich allein in der Villa von Earl Grey,
wo sie dem wunderbaren „Wörterbuch von Earl Grey“ begegnet.
Dass die interessanten Geschichten von Akiko kaum Beachtung finden, ist wirklich sehr schade. Sie sind so besonders, heben sich ab vom Üblichen. Ja, das wollte ich mal gesagt haben.
Daggi Geiselmann ist eine Autorin, die viel durchgemacht hat. Ich war die Lektorin ihres Vertrauens, und gemeinsam haben wir ihre Aufzeichnungen zum Leben erweckt. Es war nicht ganz einfach, den Spagat zwischen ihrem Frei-von-der-Leber-weg-Stil und Lektoratseingriffen zu schaffen, das gebe ich offen zu. Einerseits sollte die Direktheit erhalten bleiben, immerhin ist diese Lebensbeichte absolut authentisch, das Milieu, die Menschen darin brutal und erbarmungslos, ja, die Erfahrungen der Autorin grausam, andererseits erwartet die Leserschaft mehr als einen journalistischen Bericht. Kurzum, es war aufregend, wir sind zusammengekommen, haben dem Text frischen Wind eingehaucht und hatten eine spannende Zeit.
Zum Buch
Gretel Pohlmann, übrigens eine überaus patente Persönlichkeit, hat mir die Überarbeitung ihres mystischen, fantasievollen Roman überlassen, worüber ich mich sehr gefreut habe.
Offensichtlich ist uns die intensive Arbeit gelungen, was die positiven Rezensionen bestätigen.
Zum Buch
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Autorinnen und Autoren,
Mein Partner Qindie hat mich zu meiner Arbeitsweise befragt, wofür ich herzlich danke.
Interview:
Von Nacktheit, Aromabad, Smoking und Abendkleid: Lektorin Elsa Rieger im Partnerqinterview
Im März sind wir wieder bei der Buchmesse. Eines unserer Themen dort
ist das Lektorat. Für unser Qinterview haben wir uns deshalb mit Elsa
Rieger eine Lektorin und Qindepartnerin ausgesucht, der viele Autoren
vertrauen. Das liegt ganz sicher daran, dass sie sich gut in die Autoren
versetzen kann. Schließlich schreibt sie selbst tolle Bücher. Sie kann
Vertrauen aufbauen, weil man ihr immer abnimmt, dass es um den Text
geht, um das optimale Ergebnis für die Geschichte. Eine Haltung, die
sich auch durch das Interview zieht.
1. Wer bist du und was bietest du als Qindie-PartnerIn an?
Zuerst einmal vielen Dank für das Qinterview meiner Lieblingsvereinigung für Autorinnen und Autoren.
Ich bin Mensch, Frau, ehemalige Buchhändlerin (40 Jahre lang habe ich
Bücher geschupft und „inhaliert“), Autorin (ich schreibe seit 20 Jahren)
und aufgrund all dieser Erfahrungen biete ich Lektoratsarbeit an.
2. Was macht ein(e) LektorIn?
Im Grunde sollte das Lektorat dem Manuskript die geblümte Kleiderschürze
oder den Blaumann ausziehen, es nackt machen, ihm ein Aromabad (je nach
Genre gewürzt) verpassen, es salben, und ihm dann das Abendkleid oder
den Smoking anziehen, sprich, es ausgehfein machen.
Nun, das ist sehr metaphorisch ausgedrückt, prosaischer bedeutet das,
den Text auf Plotlöcher, Logikfehler, langweilige Wiederholungen,
ungeschickte Formulierungen, Registersprünge, sofern sie nicht bewusst
als Stilmittel eingesetzt werden, zu untersuchen und die AutorInnen
darauf aufmerksam zu machen, ihnen Alternativen anzubieten, aus denen
sie wählen können, oder durch die sie selbst auf gute Lösungen kommen.
3. Entsteht Kunst nicht gerade aus dem wilden
unverfälschten Moment? Nimmt man dem beim Lektorat nicht Individualität
und Eigenständigkeit?
Oh doch, zuerst ist es die wilde Lust am Fabulieren, die Leidenschaft,
die „aus dem Bauch“ kommt, heißblütig tippen wir drauflos, das soll auch
bloß nicht unterbunden oder gestört werden, sonst ist das kreative
Moment verloren. Das ist wunderbar und wichtig. In dieser Phase des
First Drafts soll sich keine/r beirren lassen! Wie schön, dann nach dem
Lachen, Weinen, den Qualen oder des Glücks, welches die Schreiber in der
schöpferischen Phase durchleben, „Ende“ darunterzusetzen. Sich ein paar
Wochen darauf ausruhen, den Text liegenlassen, durchatmen. Erst dann
ist der Blick wieder geschärft und erst dann fängt die rationelle Arbeit
am Text an. Da komme dann ich ins Spiel.
Ein gutes Lektorat wäre kein gutes, würde es die Individualität, die
Eigenständigkeit des jeweiligen Autors kappen. Ein gutes Lektorat macht
das Gegenteil und „erhöht“ Stil und Inhalt eines Manuskripts im Sinne
der Autorin.
4. Wie wird man LektorIn?
LektorIn ist kein geschützter Begriff, jeder kann sich so nennen, daher
ist es für unerfahrene AutorInnen nicht ganz leicht, den passenden zu
finden; es gibt schon viele, die das anbieten.
Ich wurde es, weil Schreibende, die meine Bücher schätzen, mich
angefragt haben, ob ich mal ihr Manuskript ansehen könnte. Nun, da habe
ich gespürt, dass ich gut mit fremden Texten umgehen kann. Das mag am
vielen Lesen liegen, das ich seit meiner Kindheit betreibe. Ich weiß
nicht, wieso ich ein Auge dafür habe, ich habe es. Das ist schön.
5. Wie stellst du dich auf die unterschiedlichen Sprachstile deiner Kunden ein?
So wie ich mich auf die verschiedenen Bücher einstelle, die ich lese.
Philip Roth schreibt anders als T. C. Boyle, der schreibt anders als
John Irving, wieder anders ist der Sprachstil von Joyce Carol Oates und
so weiter. Das ist die kleinste Übung.
6. Haben LektorInnen überhaupt Kunden oder haben sie Klienten?
Ich habe eindeutig KlientInnen. Das Manuskript selbst ist ein Klient, es
kommt zu mir, der Textärztin, und möchte behandelt werden.
7. Was ist dir bei der Arbeit mit den Autoren wichtig?
Vertrauen, immerhin ziehe ich deren Texte nackt aus, da gehört vonseiten
der Autoren viel Mut dazu, fremden Augen eine Erstfassung zu
überlassen. Wenn die Chemie zwischen Lektor und Autor nicht passt, geht
nix.
8. Gibt es klassische Fehler, die fast jeder macht?
Ja. Ich auch. Also bei meinen Texten. Wir AutorInnen glauben oft, wir
müssen den Lesern alles reindrücken, immer wieder erwähnen, weil wir
denken offenbar, die haben 10 Seiten später schon vergessen, was vorher
bereits deutlich erwähnt wurde. Wir sollten die Leser nicht
unterschätzen. Diesen Fehler sehe ich oft.
9. LektorInnen sind nur Verwalter und zerschneiden den
AutorInnen die Texte, weil sie auf deren Kreativität neidisch sind.
Schon mal gehört?
Ah geh! Nein, das habe ich noch nicht gehört, ich kann es auch nicht
glauben, Gerücht! LektorInnen wären schnell keine mehr, würden sie das
tun. Es ist ein Job, in dem man äußerst sensibel mit etwas umgeht, das
einem nicht gehört. So sehe ich das wenigstens.
10. Wie finden Autoren ihre eigene Sprache und wie kannst du ihnen dabei helfen?
Anfangs schreibt man ja gern (habe ich auch gemacht) als Epigone seines
Idols. Ich z.B. habe Philippe Djian (der war übrigens Lektor, dann
Buchhändler, ehe er selbst schrieb) glühend verehrt. Seinen Roman: Betty
Blue – 37,2 Grad am Morgen, habe ich wahrscheinlich zehnmal
verschlungen. Tja, meine ersten Texte waren lauter kleine Betty Blues.
Am besten findet man die Sprache heraus, wenn man mit den Autorinnen
E-Mails schreibt, sich über ihr Manuskript eine Weile austauscht, denn
in diesem „privaten, frei von der Leber weg“-Schreiben erkennt man das
ganz gut. Das meinte ich auch oben mit „Registersprung“, d.h. wenn
plötzlich die Sprache wechselt, die Begriffe nicht passen, das ist nicht
so gut.
Sie darauf aufmerksam machen, die gewählte Sprachebene einzuhalten, damit helfe ich ihnen.
11. Gibt es für dich einen Unterschied zwischen Büchern von Self-Publishern und Verlagen?
Ja, leider doch noch recht oft. Nicht immer, denn es gibt ganz tolle
SP-Bücher, doch prozentual haben die VerlagsautorInnen mehr Qualität zu
bieten. Sollte sich mal ändern.
12. Hast du schon Aufträge abgelehnt, weil ein Text zu schlecht war?
Ja, das Recht nehme ich mir. Ich tue dem Schreiber ja auch nichts Gutes,
wenn ich ihn bestärke in seinem Wunsch, ein Buch rauszubringen, wenn er
nun mal keine Begabung fürs Schreiben hat. Vielleicht wären Musik oder
bildnerische Kunst eher seine Erfüllung? Ich weiß, Schreiben ist
leichter, denkt so mancher, das ist kein Aufwand, Laptop her und schon
geht’s los. Nur so ist es eben nicht.
13. Kannst du gleichtags ein Buch lektorieren und an einem eigenen schreiben?
Nein. Mag sein, ich könnte es, aber ich will es nicht. Lektorat ist
Arbeit und passiert wochentags, meine Texte kommen am Wochenende dran
und wenn kein Job ansteht.
14. Wie schaffst du es, bei den verschiedenen Welten
(deine Bücher, die deiner Kunden, das reale Leben) nicht
durcheinanderzukommen?
Haha, gute Frage, nächste Frage! Nein, Spaß. Ich bin im Sternzeichen
Wassermann, das würde mich dafür prädestinieren, in den Wolken zu
schweben, zu dichten, zu schreiben, die Welt Welt sein zu lassen, im
Wald zu hausen und zu philosophieren. Aber (!) mein Aszendent ist
Jungfrau, und es könnte sein, dass mich dieses Sternzeichen erdet, am
Boden hält. Noch dazu ist die Jungfrau ein Ass in Organisation. Hm, das
wird wahrscheinlich sein. Ok, also ernsthaft jetzt: Ich habe keine
Ahnung, wie ich das alles unter einen Hut kriege, ehrlich. Muss mal
drüber nachdenken.
15. Wie bist du zur Literatur gekommen?
Durch meine Familie, die Eltern Schauspielerin und Regisseur, überall
lagen bei uns meterhohe Stapel von Büchern herum, ich habe alles
gelesen, wirklich alles, was mir als Kind in die Hände fiel, allerdings
habe ich nicht alles verstanden, wie Henry Miller im zarten Alter von
zehn (was meine Eltern erleichterte, dieses Buch „Die Welt des Sexus“
mussten sie dann weggesperrt haben, ich fand es nie wieder in den
Stapeln); Hauptsache lesen. Und wie eingangs erwähnt, war ich Jahrzehnte
Buchhändlerin, weil ich mich gern mit Literatur umgebe.
16. Wenn Du beruflich so viel lesen musst, liest du dann auch privat noch gern?
Natürlich, einschlafen ohne vorher gelesen zu haben, geht gar nicht.
17. Was machst du, wenn du nicht schreibst, lektorierst oder liest?
Schlafen! Haha. Nein, dann befasse ich mich mit meiner Familie, Mutter,
Ziehtochter, Enkeln, gehe mit Freunden aus, ich liebe Kino, unser Haus
am Waldrand im Waldviertel, wo ich die Wälder auf langen Spaziergängen
durchstreife. Ach, ich habe viel Spaß am und im Leben.
18. Was liest du gern? Welches Genre? Gibt es einen speziellen Autor?
Romane und biografische Romane. Im Moment ist mein Favorit T. C. Boyle,
aber es wechselt. Wenn ich gerade Hunger auf einen Autor habe, dann will
ich alles von ihm verschlingen.
19. Wo findet man dich im Internet?
Meine Website: Website
Meine Bücher: Elsa Rieger - Bücher
Als die Autorin an mich herantrat, nahm ich die Herausforderung gespannt
an. Denn ein Manuskript einer Japanerin zu lektorieren ist nochmal
etwas anderes, als das einer Muttersprachlerin zu begutachten.
Ich
las also die Texte, und zuerst wollte sich kein Bezug dazu einstellen.
Ich konnte einfach nicht zwischen den Zeilen lesen, den Subtext nicht
greifen. Ich las etwas sehr Zartes, Zurückhaltendes, vergleichbar mit
Kirschblütenknospen, die mir verschlossen blieben. Was tun?, fragte ich
mich. Dann sammelte ich mich und begann in der 1. Überarbeitungsrunde
die Sätze gemeinsam mit der Autorin europäischer zu gestalten. Langsam
öffneten sich dadurch die zarten Kirschblüten, und von Runde zu Runde
entfalteten sie sich mehr und mehr. Nun verstehe ich die Texte und das
Unausgesprochene zwischen den Zeilen. Und das, was die Autorin den
Lesern mitteilen will, ist eine wunderbare Idee. Das war sie von Anfang
an.
Nachdem wir alles vollbracht hatten, schrieb die Autorin auf Facebook:
Meine
Lektorin hat 2. Stufen gemacht: 1. Grammatische Korrektur 2.
Inhaltliche Korrektur. Aber sie hat schon von 1. Stufe an mehrere
wichtige Fragen gestellt. Ich beantwortete ihre Fragen verzweifelt. Aber
ich konnte genau mitteilen, was ich im Kopf hatte. Sie formulierte
besser, was ich sagen wollte. Sie legte viele liebliche Ideen in meinen
Text. Erstmals hatte ich mich geschämt sehr, weil ich fühlte mich, wie
meine Unterwäsche zeigen ließ. Aber da sie meine Erklärung richtig
verstanden war, und verbesserte meinen Text, meine Geschichte blieb
"mein" aber verbessert. Das war eine schöne Erfahrung.
Ich antwortete ihr:
ein
Lektor ist wie ein Leibarzt, denn er zieht den Patienten - den Text -
nackt aus, um den Körper zu verstehen, zu verstehen, was zwischen den
Buchstaben und Zeilen steht. Dann erst sieht und hört er das Herz eines
Textes klopfen. Du hast mir dein Vertrauen geschenkt, dass ich das alles
fühlen konnte, was dort steht. Ich weiß, dass das für jeden Writer eine
Entblätterung bedeutet. Ich danke dir für die schöne gemeinsame Zeit
und Arbeit.
Wie schon erwähnt, geht es um eine sehr
zarte Liebesgeschichte. Die Protagonisten sind ein Wissenschaftler,
Mitte 30, und ein sehr junger Mann, eine Waise, der als sein Assistent
arbeitet. Die beiden kommen letzten Endes in eine Situation, die
erschreckende Wahrheit ist, obwohl man das als Leser kaum für möglich
halten kann. Mehr möchte ich nicht verraten.
Tom Oberbichler war so freundlich, meinen Artikel über die Zusammenarbeit von Autoren mit Lektoren und meine Sicht dazu auf seiner Seite be wonderful zu veröffentlichen. Vielen Dank, Tom!
Mittlerweile ist
es den meisten Autoren und Autorinnen klar, dass ein hochwertiges
Lektorat und Korrektorat ein wichtiger Bestandteil eines
guten und erfolgreichen Buchs ist – egal ob es selbstverlegt wird
oder ein Verlag eingebunden ist.
Ich habe Elsa Rieger, Autorin, Buchbloggerin und Lektorin, gebeten uns
aus ihrer Sicht als Lektorin einen Überblick über ihre Arbeit und ihre Zusammenarbeit mit Autoren und Autorinnen zu geben.
Liebe Autorin, lieber Autor,
Zunächst bin ich als
Lektorin, die selbst schreibt und das Wort an sich liebt, sehr
gespannt, wenn du mit einem Text auf mich zukommst. Es ist kein
Märchen, dass die Chemie zwischen Menschen stimmen muss, um
überhaupt miteinander kommunizieren zu können. Doch das gilt auch für
den Text. Ich kann nicht jeden Text „ausgehfein“ machen, gebe ich
hiermit zu. In den Anfängen des Lektorierens wollte ich das aber um
jeden Preis (Honorare für die Arbeit sind ja auch nicht zu verneinen,
nicht wahr?). Mittlerweile nach den Jahren sehe ich das
jedoch anders. Wenn mich ein Text nicht ergreift, interessiert, oder
schlichtweg talentfrei geschrieben ist, springe ich nicht mehr über
meinen Schatten, sondern lehne das Projekt mit Bedauern
ab. Ich finde nicht, dass jeder Mensch die Begabung zum Schreiben
hat. Vielleicht ist derjenige/diejenige besser bei der bildenden Kunst
aufgehoben oder beim Komponieren schöner Melodien? (...)
Wenn Sie weiterlesen wollen, was ich zu sagen habe,
hier geht es zum gesamten Text:
Der Artikel