Schreiben

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Samstag, 18. Juni 2016

Wenn das keine Freude ist ...


Ein Autor, dessen Art zu schreiben ich überaus schätze, und die Freude habe, seine Texte zu lektorieren, schrieb mir heute offiziell auf Facebook (Um welche Titel es geht, sage ich nicht, kommt noch):

Was dich vor allem auszeichnet, meine hochgeschätzte Freundin und Kollegin, ist dein Horizont und deine Neugier auf alles was sich lesen lässt. Einige der Gründe, die mich dazu gebracht haben, dich als Lektorin für alle künftigen Geschichten meines lieben (Titel) zu wählen. Und die bisherige Zusammenarbeit bestätigt mich und meinen Entschluss uneingeschränkt. Ich bin froh und glücklich dich und deinen weiten Horizont sowie deine große Erfahrung an meiner Seite zu haben. "Am Anfang ist die Neugier" lautet der Wahlspruch, unter den ich seit Jahren meine Agentur gestellt habe. Neugier ist für mich der Schlüssel zu allem was uns weiterbringt. Und diese Neugier versprühst du geradezu verschwenderisch ... 

Herzlichen Dank dafür sagt Elsa Rieger

Samstag, 4. Juni 2016

Alles ist - James Henry Burson



Ich stieß auf die Bücher von James, weil wir auf Facebook verbandelt waren, und war erschüttert und begeistert zugleich von seinen biografischen Aufzeichnungen. 

Da waren Glanzstücke drin, Perlen an Gefühl und Bildsprache, jedoch recht versteckt in vielen überflüssigen Sätzen. Das Lektorenfieber packte mich, so bat ich James, die Bücher ein bisschen schleifen zu dürfen.
Nun, er willigte gern ein, so machten wir uns an die Arbeit.

Es war sehr spannend, es war manchmal zäh, es gab viel zu bedenken, die Perlen von ihren Schalen zu befreien, denn ich wollte James' Sprache nicht zerstören - sie nur stärken. 
Schließlich waren wir beide weitgehend zufrieden mit dem Ergebnis. Das ist untertrieben! Wir waren total glücklich!
Danke, James, für dein Vertrauen!  

BTW: Ich habe ein paar Rezensionen gelesen, die Fehlerchen ansprechen. James, wir sollten noch mal drüber gehen, was meinst du?



 

Donnerstag, 2. Juni 2016

If you come to San Francisco - Maren Hirsch

Ich erinnere mich gern an die Zusammenarbeit mit Maren Hirsch, die zugegebenermaßen turbulent war, wie auch ihr Roman The Trumpet Player ist.

Wir hatten einige Sträuße auszufechten, nachdem die Autorin nach deprimierenden Erfahrungen andernorts bei mir gelandet war. 
Doch schließlich brachten wir das Manuskript in Form. 

Die Geschichte ist vergnüglich, voller Pep, mit ganz viel Musik und überaus originellen Protagonisten geschrieben. Was ich an Maren Hirsch von Anfang an bewundert habe, ist, dass sie die Menge an Figuren mit viel Personality ausgestattet hat, jede/r einzelne hat ein Leben, farbig und nachvollziehbar. Und, dass sie die Leute nicht einmal verwechselt hat, der Leser immer genau weiß, von wem gerade die Rede ist. Klasse.

Und am Ende dieser intensiven Arbeit wurden wir Freundinnen. Das ist sehr schön.

  


Mittwoch, 4. Mai 2016

Japanische Kirschblüten - Akiko Kawabata

Wie ich hier schon einmal geschrieben habe über die Zusammenarbeit mit Akiko Kawabata, war es hochinteressant, mit dieser Dame aus Japan, die die deutsche Sprache liebt, Texte zu erarbeiten, die auch für Europäer gut zu lesen sind. Ich finde, es ist uns ganz gut gelungen.
Das Spannende an den Geschichten ist die Kombination zwischen teilweise realer, teilweise utopischer Wissenschaft, die Akiko beängstigend ins rechte Licht setzt, und einer bestrickenden Liebesgeschichte, zart wie Kirschblüten im Wind, zwischen zwei Männern, die in beklemmenden, eigenartigen Situationen kommen. Die Reihe heißt Naiv und ist bei Amazon erschienen. 

Ich habe noch weitere Geschichten lektorieren dürfen, die voller Fantasie sind, zugleich schmerzlich und schön. 

Zum Beispiel: Das Wörterbuch von Earl Grey

Kou Naruse, die 14-jährige Mittelschülerin, distanziert sich von der Fremdsprache Englisch, weil sie damit beschämende Erfahrungen gemacht hat. Eines Tages lädt eine Freundin sie zu einem Englischkurs bei dem Engländer „Earl Grey“ in ihrer Stadt ein. Der alte, aber elegante Lehrer fasziniert alle vier Mädchen, die den Kurs in seinem Haus besuchen. An einem Sommerferientag findet Kou sich allein in der Villa von Earl Grey, wo sie dem wunderbaren „Wörterbuch von Earl Grey“ begegnet.

Dass die interessanten Geschichten von Akiko kaum Beachtung finden, ist wirklich sehr schade. Sie sind so besonders, heben sich ab vom Üblichen. Ja, das wollte ich mal gesagt haben.

  

Mittwoch, 20. April 2016

Einfach nur ICH - eine Trilogie

Daggi Geiselmann ist eine Autorin, die viel durchgemacht hat. Ich war die Lektorin ihres Vertrauens, und gemeinsam haben wir ihre Aufzeichnungen zum Leben erweckt. Es war nicht ganz einfach, den Spagat zwischen ihrem Frei-von-der-Leber-weg-Stil und Lektoratseingriffen zu schaffen, das gebe ich offen zu. Einerseits sollte die Direktheit erhalten bleiben, immerhin ist diese Lebensbeichte absolut authentisch, das Milieu, die Menschen darin brutal und erbarmungslos, ja, die Erfahrungen der Autorin grausam, andererseits erwartet die Leserschaft mehr als einen journalistischen Bericht. Kurzum, es war aufregend, wir sind zusammengekommen, haben dem Text frischen Wind eingehaucht und hatten eine spannende Zeit.

Zum Buch



 

Dienstag, 19. April 2016

Macht der Sinne

Gretel Pohlmann, übrigens eine überaus patente Persönlichkeit, hat mir die Überarbeitung ihres mystischen, fantasievollen Roman überlassen, worüber ich mich sehr gefreut habe. 
Offensichtlich ist uns die intensive Arbeit gelungen, was die positiven Rezensionen bestätigen.

Zum Buch


Freitag, 26. Februar 2016

Auf den - meinen - Punkt gebracht

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Autorinnen und Autoren,
Mein Partner Qindie hat mich zu meiner Arbeitsweise befragt, wofür ich herzlich danke.

Interview:

Von Nacktheit, Aromabad, Smoking und Abendkleid: Lektorin Elsa Rieger im Partnerqinterview

Im März sind wir wieder bei der Buchmesse. Eines unserer Themen dort ist das Lektorat. Für unser Qinterview haben wir uns deshalb mit Elsa Rieger eine Lektorin und Qindepartnerin ausgesucht, der viele Autoren vertrauen. Das liegt ganz sicher daran, dass sie sich gut in die Autoren versetzen kann. Schließlich schreibt sie selbst tolle Bücher. Sie kann Vertrauen aufbauen, weil man ihr immer abnimmt, dass es um den Text geht, um das optimale Ergebnis für die Geschichte. Eine Haltung, die sich auch durch das Interview zieht.  

1.    Wer bist du und was bietest du als Qindie-PartnerIn an?
Zuerst einmal vielen Dank für das Qinterview meiner Lieblingsvereinigung für Autorinnen und Autoren.
Ich bin Mensch, Frau, ehemalige Buchhändlerin (40 Jahre lang habe ich Bücher geschupft und „inhaliert“), Autorin (ich schreibe seit 20 Jahren) und aufgrund all dieser Erfahrungen biete ich Lektoratsarbeit an.


2.    Was macht ein(e) LektorIn?
Im Grunde sollte das Lektorat dem Manuskript die geblümte Kleiderschürze oder den Blaumann ausziehen, es nackt machen, ihm ein Aromabad (je nach Genre gewürzt) verpassen, es salben, und ihm dann das Abendkleid oder den Smoking anziehen, sprich, es ausgehfein machen.
Nun, das ist sehr metaphorisch ausgedrückt, prosaischer bedeutet das, den Text auf Plotlöcher, Logikfehler, langweilige Wiederholungen, ungeschickte Formulierungen, Registersprünge, sofern sie nicht bewusst als Stilmittel eingesetzt werden, zu untersuchen und die AutorInnen darauf aufmerksam zu machen, ihnen Alternativen anzubieten, aus denen sie wählen können, oder durch die sie selbst auf gute Lösungen kommen.


3.    Entsteht Kunst nicht gerade aus dem wilden unverfälschten Moment? Nimmt man dem beim Lektorat nicht Individualität und Eigenständigkeit?
Oh doch, zuerst ist es die wilde Lust am Fabulieren, die Leidenschaft, die „aus dem Bauch“ kommt, heißblütig tippen wir drauflos, das soll auch bloß nicht unterbunden oder gestört werden, sonst ist das kreative Moment verloren. Das ist wunderbar und wichtig. In dieser Phase des First Drafts soll sich keine/r beirren lassen! Wie schön, dann nach dem Lachen, Weinen, den Qualen oder des Glücks, welches die Schreiber in der schöpferischen Phase durchleben, „Ende“ darunterzusetzen. Sich ein paar Wochen darauf ausruhen, den Text liegenlassen, durchatmen. Erst dann ist der Blick wieder geschärft und erst dann fängt die rationelle Arbeit am Text an. Da komme dann ich ins Spiel.
Ein gutes Lektorat wäre kein gutes, würde es die Individualität, die Eigenständigkeit des jeweiligen Autors kappen. Ein gutes Lektorat macht das Gegenteil und „erhöht“ Stil und Inhalt eines Manuskripts im Sinne der Autorin.


4.    Wie wird man LektorIn?
LektorIn ist kein geschützter Begriff, jeder kann sich so nennen, daher ist es für unerfahrene AutorInnen nicht ganz leicht, den passenden zu finden; es gibt schon viele, die das anbieten.
Ich wurde es, weil Schreibende, die meine Bücher schätzen, mich angefragt haben, ob ich mal ihr Manuskript ansehen könnte. Nun, da habe ich gespürt, dass ich gut mit fremden Texten umgehen kann. Das mag am vielen Lesen liegen, das ich seit meiner Kindheit betreibe. Ich weiß nicht, wieso ich ein Auge dafür habe, ich habe es. Das ist schön.


5.    Wie stellst du dich auf die unterschiedlichen Sprachstile deiner Kunden ein?
So wie ich mich auf die verschiedenen Bücher einstelle, die ich lese. Philip Roth schreibt anders als T. C. Boyle, der schreibt anders als John Irving, wieder anders ist der Sprachstil von Joyce Carol Oates und so weiter. Das ist die kleinste Übung.


6.    Haben LektorInnen überhaupt Kunden oder haben sie Klienten?
Ich habe eindeutig KlientInnen. Das Manuskript selbst ist ein Klient, es kommt zu mir, der Textärztin, und möchte behandelt werden.


7.    Was ist dir bei der Arbeit mit den Autoren wichtig?
Vertrauen, immerhin ziehe ich deren Texte nackt aus, da gehört vonseiten der Autoren viel Mut dazu, fremden Augen eine Erstfassung zu überlassen. Wenn die Chemie zwischen Lektor und Autor nicht passt, geht nix.


8.    Gibt es klassische Fehler, die fast jeder macht?
Ja. Ich auch. Also bei meinen Texten. Wir AutorInnen glauben oft, wir müssen den Lesern alles reindrücken, immer wieder erwähnen, weil wir denken offenbar, die haben 10 Seiten später schon vergessen, was vorher bereits deutlich erwähnt wurde. Wir sollten die Leser nicht unterschätzen. Diesen Fehler sehe ich oft.


9.    LektorInnen sind nur Verwalter und zerschneiden den AutorInnen die Texte, weil sie auf deren Kreativität neidisch sind. Schon mal gehört?
Ah geh! Nein, das habe ich noch nicht gehört, ich kann es auch nicht glauben, Gerücht! LektorInnen wären schnell keine mehr, würden sie das tun. Es ist ein Job, in dem man äußerst sensibel mit etwas umgeht, das einem nicht gehört. So sehe ich das wenigstens.


10.    Wie finden Autoren ihre eigene Sprache und wie kannst du ihnen dabei helfen?
Anfangs schreibt man ja gern (habe ich auch gemacht) als Epigone seines Idols. Ich z.B. habe Philippe Djian (der war übrigens Lektor, dann Buchhändler, ehe er selbst schrieb) glühend verehrt. Seinen Roman: Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen, habe ich wahrscheinlich zehnmal verschlungen. Tja, meine ersten Texte waren lauter kleine Betty Blues.
Am besten findet man die Sprache heraus, wenn man mit den Autorinnen E-Mails schreibt, sich über ihr Manuskript eine Weile austauscht, denn in diesem „privaten, frei von der Leber weg“-Schreiben erkennt man das ganz gut. Das meinte ich auch oben mit „Registersprung“, d.h. wenn plötzlich die Sprache wechselt, die Begriffe nicht passen, das ist nicht so gut.
Sie darauf aufmerksam machen, die gewählte Sprachebene einzuhalten, damit helfe ich ihnen.


11.    Gibt es für dich einen Unterschied zwischen Büchern von Self-Publishern und Verlagen?
Ja, leider doch noch recht oft. Nicht immer, denn es gibt ganz tolle SP-Bücher, doch prozentual haben die VerlagsautorInnen mehr Qualität zu bieten. Sollte sich mal ändern.


12.    Hast du schon Aufträge abgelehnt, weil ein Text zu schlecht war?
Ja, das Recht nehme ich mir. Ich tue dem Schreiber ja auch nichts Gutes, wenn ich ihn bestärke in seinem Wunsch, ein Buch rauszubringen, wenn er nun mal keine Begabung fürs Schreiben hat. Vielleicht wären Musik oder bildnerische Kunst eher seine Erfüllung? Ich weiß, Schreiben ist leichter, denkt so mancher, das ist kein Aufwand, Laptop her und schon geht’s los. Nur so ist es eben nicht.


13.    Kannst du gleichtags ein Buch lektorieren und an einem eigenen schreiben?
Nein. Mag sein, ich könnte es, aber ich will es nicht. Lektorat ist Arbeit und passiert wochentags, meine Texte kommen am Wochenende dran und wenn kein Job ansteht.


14.    Wie schaffst du es, bei den verschiedenen Welten (deine Bücher, die deiner Kunden, das reale Leben) nicht durcheinanderzukommen?
Haha, gute Frage, nächste Frage! Nein, Spaß. Ich bin im Sternzeichen Wassermann, das würde mich dafür prädestinieren, in den Wolken zu schweben, zu dichten, zu schreiben, die Welt Welt sein zu lassen, im Wald zu hausen und zu philosophieren. Aber (!) mein Aszendent ist Jungfrau, und es könnte sein, dass mich dieses Sternzeichen erdet, am Boden hält. Noch dazu ist die Jungfrau ein Ass in Organisation. Hm, das wird wahrscheinlich sein. Ok, also ernsthaft jetzt: Ich habe keine Ahnung, wie ich das alles unter einen Hut kriege, ehrlich. Muss mal drüber nachdenken.


15.    Wie bist du zur Literatur gekommen?
Durch meine Familie, die Eltern Schauspielerin und Regisseur, überall lagen bei uns meterhohe Stapel von Büchern herum, ich habe alles gelesen, wirklich alles, was mir als Kind in die Hände fiel, allerdings habe ich nicht alles verstanden, wie Henry Miller im zarten Alter von zehn (was meine Eltern erleichterte, dieses Buch „Die Welt des Sexus“ mussten sie dann weggesperrt haben, ich fand es nie wieder in den Stapeln); Hauptsache lesen. Und wie eingangs erwähnt, war ich Jahrzehnte Buchhändlerin, weil ich mich gern mit Literatur umgebe.


16.    Wenn Du beruflich so viel lesen musst, liest du dann auch privat noch gern?
Natürlich, einschlafen ohne vorher gelesen zu haben, geht gar nicht.


17.    Was machst du, wenn du nicht schreibst, lektorierst oder liest?
Schlafen! Haha. Nein, dann befasse ich mich mit meiner Familie, Mutter, Ziehtochter, Enkeln, gehe mit Freunden aus, ich liebe Kino, unser Haus am Waldrand im Waldviertel, wo ich die Wälder auf langen Spaziergängen durchstreife. Ach, ich habe viel Spaß am und im Leben.


18.    Was liest du gern? Welches Genre? Gibt es einen speziellen Autor?
Romane und biografische Romane. Im Moment ist mein Favorit T. C. Boyle, aber es wechselt. Wenn ich gerade Hunger auf einen Autor habe, dann will ich alles von ihm verschlingen.


19.    Wo findet man dich im Internet?
Meine Website: Website
Meine Bücher: Elsa Rieger - Bücher

 




Mittwoch, 29. Januar 2014

Betrachtung zum neuesten Lektorat

Als die Autorin an mich herantrat, nahm ich die Herausforderung gespannt an. Denn ein Manuskript einer Japanerin zu lektorieren ist nochmal etwas anderes, als das einer Muttersprachlerin zu begutachten.
Ich las also die Texte, und zuerst wollte sich kein Bezug dazu einstellen. Ich konnte einfach nicht zwischen den Zeilen lesen, den Subtext nicht greifen. Ich las etwas sehr Zartes, Zurückhaltendes, vergleichbar mit Kirschblütenknospen, die mir verschlossen blieben. Was tun?, fragte ich mich. Dann sammelte ich mich und begann in der 1. Überarbeitungsrunde die Sätze gemeinsam mit der Autorin europäischer zu gestalten. Langsam öffneten sich dadurch die zarten Kirschblüten, und von Runde zu Runde entfalteten sie sich mehr und mehr. Nun verstehe ich die Texte und das Unausgesprochene zwischen den Zeilen. Und das, was die Autorin den Lesern mitteilen will, ist eine wunderbare Idee. Das war sie von Anfang an. 


Nachdem wir alles vollbracht hatten, schrieb die Autorin auf Facebook:
Meine Lektorin hat 2. Stufen gemacht: 1. Grammatische Korrektur 2. Inhaltliche Korrektur. Aber sie hat schon von 1. Stufe an mehrere wichtige Fragen gestellt. Ich beantwortete ihre Fragen verzweifelt. Aber ich konnte genau mitteilen, was ich im Kopf hatte. Sie formulierte besser, was ich sagen wollte. Sie legte viele liebliche Ideen in meinen Text. Erstmals hatte ich mich geschämt sehr, weil ich fühlte mich, wie meine Unterwäsche zeigen ließ. Aber da sie meine Erklärung richtig verstanden war, und verbesserte meinen Text, meine Geschichte blieb "mein" aber verbessert. Das war eine schöne Erfahrung.

Ich antwortete ihr:
ein Lektor ist wie ein Leibarzt, denn er zieht den Patienten - den Text - nackt aus, um den Körper zu verstehen, zu verstehen, was zwischen den Buchstaben und Zeilen steht. Dann erst sieht und hört er das Herz eines Textes klopfen. Du hast mir dein Vertrauen geschenkt, dass ich das alles fühlen konnte, was dort steht. Ich weiß, dass das für jeden Writer eine Entblätterung bedeutet. Ich danke dir für die schöne gemeinsame Zeit und Arbeit.

Wie schon erwähnt, geht es um eine sehr zarte Liebesgeschichte. Die Protagonisten sind ein Wissenschaftler, Mitte 30, und ein sehr junger Mann, eine Waise, der als sein Assistent arbeitet. Die beiden kommen letzten Endes in eine Situation, die erschreckende Wahrheit ist, obwohl man das als Leser kaum für möglich halten kann. Mehr möchte ich nicht verraten.


Naiv

Dienstag, 30. Juli 2013

Was geschieht beim Lektorat?

Tom Oberbichler war so freundlich, meinen Artikel über die Zusammenarbeit von Autoren mit Lektoren und meine Sicht dazu auf seiner Seite be wonderful zu veröffentlichen. Vielen Dank, Tom! 


Mittlerweile ist es den meisten Autoren und Autorinnen klar, dass ein hochwertiges Lektorat und Korrektorat ein wichtiger Bestandteil eines guten und erfolgreichen Buchs ist – egal ob es selbstverlegt wird oder ein Verlag eingebunden ist.
Ich habe Elsa Rieger, Autorin, Buchbloggerin und Lektorin, gebeten uns aus ihrer Sicht als Lektorin einen Überblick über ihre Arbeit und ihre Zusammenarbeit mit Autoren und Autorinnen zu geben.


Liebe Autorin, lieber Autor,
 
Zunächst bin ich als Lektorin, die selbst schreibt und das Wort an sich liebt, sehr gespannt, wenn du mit einem Text auf mich zukommst. Es ist kein Märchen, dass die Chemie zwischen Menschen stimmen muss, um überhaupt miteinander kommunizieren zu können. Doch das gilt auch für den Text. Ich kann nicht jeden Text „ausgehfein“ machen, gebe ich hiermit zu. In den Anfängen des Lektorierens wollte ich das aber um jeden Preis (Honorare für die Arbeit sind ja auch nicht zu verneinen, nicht wahr?). Mittlerweile nach den Jahren sehe ich das jedoch anders. Wenn mich ein Text nicht ergreift, interessiert, oder schlichtweg talentfrei geschrieben ist, springe ich nicht mehr über meinen Schatten, sondern lehne das Projekt mit Bedauern ab. Ich finde nicht, dass jeder Mensch die Begabung zum Schreiben hat. Vielleicht ist derjenige/diejenige besser bei der bildenden Kunst aufgehoben oder beim Komponieren schöner Melodien? (...)

Wenn Sie weiterlesen wollen, was ich zu sagen habe,
hier geht es zum gesamten Text: 


Der Artikel